FB 07 - Gemeinden

    Neues KiFöG MV - Wie damit umgehen?

    Neues KiFöG MV - Wie damit umgehen?

    Der Landtag hat das neue KiföG MV beschlossen trotz aller Kritik und unserer Proteste.

    Welche Konsequenzen hat die Gesetzesänderung für die berufliche Praxis? Was bedeutet das neue Gesetz für den Fachkräftemangel, die hohe Arbeitsdichte, Ausbildungsqualität und die zukünftige Vergütungsstruktur in den Kitas in Mecklenburg-Vorpommern? Wie gehen wir damit um und was haben wir für Handlungsmöglichkeiten?

    Gemeinsam wollen wir mit Euch diese Fragen diskutieren, Erfahrungen austauschen und eine Handlungsperspektive entwickeln. Wir freuen uns sehr als Fachreferenten Alexander Wegener aus Berlin und Jens Mahler aus Lübeck gewonnen zu haben und laden herzlich ein zur Fachkonferenz

    „Qualitätsverlust statt Qualitätsverbesserung – wie umgehen mit dem neuen KiföG M-V?“

    am 26. September 2017 von 17:00 bis 19:30 Uhr
    Ort:
    ver.di Schwerin, Dr. – Külz – Str. 18, 19053 Schwerin (Erdgeschoss)

    Tagungsinhalte:

    1. Kurze Rückschau und Zusammenfassung: Das neue KiföG MV, Fachreferent: Jens Mahler, Landesfachbereichsleiter ver.di Nord
    2. Vortrag: „Zur Qualitätssicherung und -entwicklung in Kitas – kritische Anmerkungen zum KiföG M-V“, Fachreferent: Alexander Wegner, Bundesfachgruppenleiter ver.di Bund
    3. Eure Erfahrungen aus den Einrichtungen zur aktuellen Arbeitssituation
    4. Perspektiven zur weiteren Auseinandersetzung mit dem mangelhaften KiföG hin zu verbindlichen Verbesserungen

     Anmeldungen bitte bis zum 22.09.2017 per Email an (diana.markiwitz@verdi.de)

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    Rückschau/Entwicklung:

     

    Jetzt erste Bewegung bei der Landesregierung nach unseren Protesten gegen die geplante Novellierung des KiföG

    Die SVZ berichtete am 16.07.:Bei Kita-Ausbildung geht SPD auf Gewerkschaft zu

    Berufsbezeichnung wird per Gesetz gleichgestellt. Neuer Anrechnungsschlüssel der Auszubildenden

    Überraschende Wende im Streit um die neue Ausbildung für Erzieher in den Kitas des Landes: In einer internen Sitzung einigten sich Sozialpolitiker und die Minister der SPD darauf, die neue dreijährige Ausbildung der jetzigen vierjährigen Ausbildung im Gesetz gleichzustellen. Sie reagierten damit auf die anhaltende Kritik. Am Ende des neuen dualen Ausbildungsgangs soll nicht mehr die Berufsbezeichnung „Staatlich geprüfte Fachkraft für Kindertageseinrichtungen“ stehen, sondern „Staatlich anerkannte Erzieherin“ – wie bei der bisherigen Ausbildung, aber mit dem Zusatz „von 0 - 10“. Damit soll deutlich gemacht werden, dass nach Abschluss der Ausbildung Kinder bis zu zehn Jahren betreut werden dürfen, nicht wie bei der vierjährigen Ausbildung bis ins Jugendalter. Das sei eine deutliche Erhöhung der Attraktivität für den Beruf, hieß es hinterher von Teilnehmern.

    Im Mittelpunkt der mehrstündigen Debatte am Dienstagabend, an der maßgeblich die designierte Ministerpräsidentin und ehemalige Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig beteiligt war, stand nach Teilnehmerangaben die heftige Kritik der Gewerkschaften und einiger Träger, dass Rot-Schwarz eine „Schmalspurausbildung zu geringeren Tarifen“ installiere.

    Jörg Heydorn, Sprecher der SPD-Fraktion für Sozialpolitik: „Uns war wichtig, dass die Erzieherinnen in der neuen Ausbildung einen adäquaten Abschluss haben und auch so bezahlt werden.“ Heydorn macht aber auch deutlich, dass die Abstimmungen mit dem Koalitionspartner CDU dazu noch bevorstehen. Dazu soll es heute eine Runde geben..........

    Nach der jetzigen Änderung sagte Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) gestern: „Die neue Ausbildung ist der richtige Weg. Analog dem dualen System gibt es erstmals eine Ausbildungsvergütung und einen hohen Praxisanteil spezialisiert auf den frühkindlichen Bereich. Es war richtig, eine Anhörung mit den Gewerkschaften zu machen. Wir haben viele Ideen aufgegriffen.“

    Die Kitas in MV kämpfen mit einem wachsenden Erziehermangel. Ab Herbst sollen zunächst 125 Bewerber ausgebildet werden.

    den kompletten SVZ-Artikel hier nochmals mit weiteren Hintergrundinformationen zum Nachlesen

    Das ist gut so. Klar ist aber auch: Aus vagen Ankündigungen müssen klare und belastbare Verbesserungen werden und es bleiben wichtige Fragen offen, für die eine Lösung her muss.

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    PM von ver.di Nord:  Kiel, 15.06.2017

    ver.di Nord zum KiföG für Mecklenburg-Vorpommern: Erster Schritt in die richtige Richtung

    Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di Nord) begrüßt grundsätzlich, dass die SPD-Fraktion und die SPD-Ministerinnen die Kritik, die ver.di geäußert hat, aufgegriffen haben und erste Verbesserungen der geplanten KiföG-Novellierung auf dem Tisch liegen.

    „Die vorgesehene wissenschaftliche Begleitung des neuen Ausbildungsgangs ist richtig und wichtig. Wir werden die Evaluierung begleiten, den Finger in die Wunde legen, wenn pädagogische Standards unterlaufen werden und die eh schon hohe Belastung der Beschäftigten weiterhin ansteigen sollte“, so Susanne Schöttke, Leiterin des ver.di Landesbezirks Nord.

    Dass eine neue dreijährige Ausbildung der vierjährigen staatlich anerkannten Ausbildung im Gesetz lediglich durch einen Zusatz gleichgestellt werden kann und bundesweit anerkannt werden wird, bezweifelt ver.di.

    „Offen bleibt für uns, welche konkreten Vorstellungen die Landesregierung zukünftig hinsichtlich der Anrechnung auf den Betreuungsschlüssel in den Kitas hat. Der Hinweis auf den Fachkräftemangel rechtfertigt zwar, neue Wege zu gehen, wir akzeptieren allerdings nicht, dass bestehende Qualitätsstandards durch faule Kompromisse unterwandert werden. Es kann und darf nicht sein, dass ein frisch gebackener Azubi ab dem 1. Ausbildungstag auf den Fachkraft-Kind-Schlüssel angerechnet wird“, so die Gewerkschafterin weiter.

    V.i.S.d.P.: Frank Schischefsky – Pressesprecher - ver.di Landesbezirk Nord

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    Starke Kritik am Ausbildungs-Sparmodell und schlechtem Betreuungsschlüssel

    Über 200 ErzieherInnen haben am Samstag in Rostock ordentlich Dampf gemacht gegen den Novellierungskrampf der Landesregierung

    10.06.17 Erzieherdemo ver.di Schwerin 10.06.17_Erzieherdemo Ausbildung

    Kitas brauchen Qualität

    Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns will Qualifikation und Personalschlüssel in Kindertagesstätten verschlechtern. Über 200 Erzieher/innen demonstrierten in Rostock.

    Mehr als 200 Erzieherinnen und Erzieher sind am 10. Juni 2017 in Rostock gegen das geplante Kindertagesförderungsgesetz (KiföG) auf die Straße gegangen. Die Botschaft der bunten und lauten Demonstration an die SPD-CDU-Landesregierung: Nein zur Absenkung der Qualifikationsniveaus in den Krippen und Kitas, ja zu einer besseren Personalausstattung.

    »Offensichtlich glaubt die rot-schwarze Landesregierung, mit dem Hinweis auf den Fachkräftemangel jede Verschlechterung rechtfertigen zu können«, kritisierte ver.di-Landesbezirksleiterin Susanne Schöttke auf der Kundgebung. Statt den zunehmenden Anforderungen der frühkindlichen Bildung Rechnung zu tragen, will die Große Koalition eine neue Schmalspur-Ausbildung einführen. Sie soll drei Jahre dauern, praxisorientiert sein und mit dem Abschluss einer »staatlich geprüften Fachkraft in Kindertagesstätten« enden – also nicht mit dem einer »staatlich anerkannten Erzieher/in«. Zwar ist auch ver.di dafür, dass die Ausbildung praxisnah ist und – anders als die aktuelle schulische Ausbildung – vergütet wird. Das vorliegende Gesetz bedeute aber »eine erhebliche Reduktion der bisherigen Qualifikationserfordernisse für den sehr anspruchsvollen Beruf der Erzieherin bzw. des Erziehers«, erklärte Schöttke.

    Den neuen Berufsabschluss soll es nur in Mecklenburg-Vorpommern geben. Doch wie sollen die Beschäftigten damit einen Job finden, wenn sie in ein anderes Bundesland umziehen? Und: Wie sollen sie bezahlt werden? Im Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) wären sie bis zu vier Entgeltgruppen niedriger eingestuft als staatlich anerkannte Erzieher/innen. »Statt der dringend nötigen Aufwertung drohen in den Kitas mittelfristig Gehaltskürzungen«, so der Schweriner ver.di-Sekretär Ivo Garbe. »Es kann nicht sein, dass Mecklenburg-Vorpommern in der frühkindlichen Bildung auf Billiglöhne setzt.«

    Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) begründet ihren Plan ausgerechnet mit einem Verweis auf Baden-Württemberg, wo das neue Ausbildungsmodell bereits umgesetzt sei. Garbe hält dagegen, dass die Auszubildenden dort weiterhin den Titel der »staatlich anerkannten Erzieher/in« erwerben. Zudem könnten die Ausgangsbedingungen in beiden Bundesländern kaum unterschiedlicher sein. So müsse eine Fachkraft im Nordosten etwa doppelt so viele Kinder betreuen wie im Südwesten.

    Dieses Verhältnis soll nun de facto noch schlechter werden: Laut Gesetzesnovelle werden Auszubildende ab dem ersten Tag mit 40 Prozent einer Fachkraft auf den Stellenschlüssel angerechnet. Da sie aber nur 40 Prozent ihrer Zeit im praktischen Einsatz sind, heißt das: Auszubildende werden wie vollwertige Fachkräfte gezählt. Das ist schon deshalb absurd, weil sie im ersten Ausbildungsjahr und falls sie Minderjährig sind nicht eigenverantwortlich arbeiten dürfen. »Die ohnehin große Arbeitsbelastung in den Krippen und Kitas wird dadurch weiter zunehmen«, ist Garbe überzeugt. Gleiches gelte für den Einsatz von Fachkräften anderer pädagogischer Berufe, die Erzieher/innen gleichgestellt werden sollen. »Es ist auf jeden Fall sinnvoll, wenn Logopäd/innen oder Musiktherapeut/innen als zusätzliche Fachkräfte das Angebot bereichern, aber nicht, dass sie Erzieherinnen ersetzen.«

    Voraussichtlich im Juli soll im Schweriner Landtag über den Gesetzentwurf abgestimmt werden. Bereits im August soll die neue dreijährige Ausbildung starten. Dabei sind bislang weder konkrete Ausbildungsinhalte festgelegt noch gibt es genug fachlich qualifizierte Praxisanleiter/innen. Der Protest in Rostock sei »ein erster Aufschlag in Richtung der Landesregierung«, sagte die Gewerkschafterin Susanne Schöttke. Wenn CDU und SPD nicht auf die Kritik eingehen, könnten weitere Aktionen folgen.

    Dr. Daniel Behruzi
    Journalist, Darmstadt

    10.06.17_Erzieherdemo Ausbildung ver.di Schwerin 10.06.17_Erzieherdemo Ausbildung

    Mehr dazu hier:

     

    oder in den Medien:

    https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/100-Teilnehmer-bei-Demo-gegen-Erzieher-Ausbildung,kita900.html

    http://t.ostsee-zeitung.de/Region-Rostock/Rostock/Protestaktion-gegen-neue-Kita-Ausbildung

    https://www.svz.de/lokales/rostock/erzieher-gegen-fachkraefte-modell-id17031221.html